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Aktuelles

"Die Mitte der Nacht ist der Anfang vom Tag" - Filmprojekt zum Thema Depressionen

Filmwerbung Die Mitte der Nacht
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Wenige Monate nach der erfolgreichen Premiere ist ab sofort der Dokumentarfilm „Die Mitte der Nacht ist der Anfang vom Tag" auf DVD erhältlich.

Mit dem Filmprojekt wollen die Filmemacher Michaela Kirst und Axel Schmidt gemeinsam mit der Stiftung Deutsche Depressionshilfe über Depressionen aufklären und das Verständnis für die Erkrankung fördern. Dafür haben sie zwei an Depression erkrankte Frauen und eine betroffene Familie über ein Jahr lang begleitet. „Aus meiner langjährigen Erfahrung als Psychiater weiß ich, wie belastet diejenigen sind, die neben ihrer Erkrankung auch noch gegen gesellschaftliche Vorurteile ankämpfen müssen. Auch die Angehörigen sind oft überfordert und hilflos. Wir brauchen Vorbilder und Orientierung im Umgang mit der Erkrankung. Dies wird unser Filmprojekt leisten: Unsere Protagonisten haben die Erkrankung selber erlebt und wir begleiten sie auf ihrem Weg im Umgang mit der Erkrankung", erläutert Initiator Axel Schmidt die Motivation für das Filmprojekt.

Unterstützt wurde der Film unter anderem vom Landschaftsverband Rheinland.
Genauere Informationen zum Projekt sowie Informationen, wo die Filme erworben werden können, entnehmen Sie bitte der beigefügten Pressemitteilung.

Zwei Stationen der Kinder- und Jugendpsychiatrie des LVR-Klinikums Essen qualifizieren sich als „DBT-A-Behandlungseinheit“

Die Dialektisch-Behaviorale-Therapie für Adoleszente (DBT-A) ist eine Weiterentwicklung der von der amerikanischen Psychologin Marsha M. Linehan in den 1980-er Jahren entwickelten Dialektisch-Behavioralen-Therapie, die auf Elemente der Verhaltenstherapie und Meditation zurückgreift.

In der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters des LVR-Klinikums Essen unter der Ärztlichen Leitung von Prof. Dr. med. Johannes Hebebrand werden die Patientinnen und Patienten schon seit vielen Jahren unter Einsatz der DBT-A behandelt – und dies mit großem Erfolg. Sie gilt als State-of-the-Art-Methode für die Behandlung von emotional-instabilen Patientinnen und Patienten. Diese zeigen oft ein charakteristisches Muster von Instabilitäten im Bereich der Affektregulation, der zwischenmenschlichen Beziehungen und des Selbstbildes. Häufig setzen die Patientinnen und Patienten selbstschädigende Verhaltensweisen (z. B. Selbstverletzung und Drogenkonsum) ein, um sich zu regulieren.

Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen, Fachtherapeutinnen und Fachtherapeuten sowie der Pflege- und Erziehungsdienst üben mit den Jugendlichen sogenannte „Skills“ (Fertigkeiten). Diese sollen den Umgang mit Hochstresssituationen, zwischenmenschlichen Beziehungen und Gefühlen verbessern und dazu beitragen, sich stabiler zu fühlen. In Einzel- und Gruppentherapien können die Patientinnen und Patienten zum Beispiel üben, wie sie in Situationen mit höchstem Stresserleben wieder handlungsfähig werden, indem sie Stressskills anwenden, und wie sie dann mit ihren starken Gefühlen umgehen können. „Die Patientinnen und Patienten haben häufig Schwierigkeiten, stabile soziale Beziehungen zu führen. Sie lernen bei uns, sich in zwischenmenschlichen Situationen auf ihre Ziele zu konzentrieren und gleichzeitig ihre Selbstachtung und die Beziehung zum Gegenüber stabil zu halten“, erklärt Melanie Henneck, Psychologin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Bis Mitte 2017 absolvieren nun erstmalig im Landschaftsverband Rheinland verschiedene Mitarbeitergruppen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des LVR-Klinikums Essen eine Ausbildung als DBT-A-Therapeut bzw. DBT-A-Trainer des Dachverbandes Dialektisch Behaviorale Therapie e.V. Mitte 2017 werden somit die Voraussetzungen erfüllt sein, sich auch offiziell „zertifizierte DBT-A-Behandlungseinheit“ nennen zu dürfen.

Essener Standard: Gemeinsam stark für Opfer häuslicher Gewalt

Frauen, die von ihren Ehemännern geschlagen werden, oder Kinder, deren Eltern ihnen gegenüber gewalttätig sind, bedürfen eines besonderen Schutzes. Weltweit ist häusliche Gewalt noch immer einer der zentralen Risikofaktoren für die Frauengesundheit. Aber auch in der Stadt Essen gab es im Jahr 2013 832 angezeigte Fälle von häuslicher Gewalt, einige davon auch gegen Kinder und Männer.

In der Praxis erweist es sich oftmals als schwierig, die Betroffenen als Opfer häuslicher Gewalt zu identifizieren und ihnen entsprechende Hilfen anzubieten. So kommt es beispielsweise vor, dass die Frauen vom Täter oder anderen Angehörigen bis in die Ambulanz begleitet werden und sich aus Angst oder Scham nicht trauen, den wahren Grund für ihr Kommen zu nennen. Dies ist gerade deshalb so problematisch, weil schon in der Ambulanz die Befunde rechtssicher dokumentiert werden sollten.

Vertreter von 13 Essener Krankenhäusern, darunter auch das LVR-Klinikum Essen, haben sich unter Federführung des „Runden Tisches Häusliche Gewalt“ nun auf einen gemeinsamen Standard für die Versorgung der Gewaltopfer in den Ambulanzen geeinigt. Der Standard beinhaltet unter anderem die direkte Ansprache der Opfer, eine gerichtsfeste Dokumentation und Informationen zu Schutz- und Hilfsangeboten.

Um Ärztinnen und Ärzte sowie das Pflegepersonal in den Kliniken darüber aufzuklären, wie sie im konkreten Fall handeln müssen und auf welche Unterstützungsangebote sie zurückgreifen können, fanden Infoveranstaltungen in den Kliniken statt. Ulrike Schultheis, Leitende Oberärztin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am LVR-Klinikum Essen, gab den Kolleginnen und Kollegen praxisnahe Hinweise für die Gesprächsführung mit den Opfern. „Es ist wichtig zu wissen, dass die Mehrzahl der Betroffenen froh ist, auf häusliche Gewalt angesprochen zu werden“, erklärt sie. „Diese Ansprache sollte möglichst klar sein und gleichzeitig die Betroffenen nicht zu sehr unter Druck setzen. Darüber hinaus sollte das Personal die Opfer zu mehreren Gelegenheiten in der Klinik auf das Thema ansprechen, denn manchmal brauchen sie etwas Zeit, um sich dem Thema zu stellen.“

Demenzen frühzeitig erkennen – mit molekularer Diagnostik: Vortrag von Prof. Dr. med. Jens Wiltfang

Der Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung wächst stetig, mit ihm steigt auch die Fallzahl von Demenzerkrankungen an. Insbesondere die Alzheimer-Demenz verläuft für die Patienten gravierend. Prof. Dr. med. Jens Wiltfang, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Zentrum für Psychosoziale Medizin am Universitätsklinikum Göttingen, hielt Ende Mai am LVR-Klinikum in Essen einen Vortrag über die Entwicklung neuer präventiver Behandlungsansätze.

Zeit ist ein ganz wesentlicher Faktor, um Demenzerkrankungen zu behandeln. Wird die Krankheit erkannt, weil die Patienten zum Beispiel durch Merkfähigkeitsstörungen auffallen, sind viele Gehirnzellen bereits geschädigt. „Die derzeit eingesetzten Medikamente mildern die Symptome der Demenz, können den Krankheitsverlauf jedoch nicht verzögern“, erklärt Prof. Wiltfang, der bis Mitte Oktober 2013 Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am LVR-Klinikum Essen war. „Mit Hilfe molekularer Untersuchungsmethoden ist es jetzt jedoch möglich, Eiweißkörper beim Patienten zu messen, die sich bereits Jahre vor der Erkrankung in seinem Gehirn ablagern. Dieser Fortschritt ist die Voraussetzung für die Entwicklung neuer krankheitsverzögernder Therapieansätze.“

Fokale Psychodynamische Therapie der Magersucht: Vortrag von Prof. Dr. med. Hans-Christoph Friederich

Ende Mai hielt Prof. Dr. med. Hans-Christoph Friederich, kommissarischer Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am LVR-Klinikum Essen, vor Kollegen in Düsseldorf einen Vortrag über das von ihm entwickelte Manual zur Fokalen Psychodynamischen Psychotherapie der Magersucht. Dieses beinhaltet vor allem die Bearbeitung der ungünstigen Gestaltung von Beziehungen sowie die Beeinträchtigung bei der Verarbeitung von Emotionen bei den Betroffenen.

Im Rahmen der groß angelegten ANTOP-Studie (Anorexia Nervosa Treatment of Outpatients), an der vom LVR-Klinikum Essen neben Prof. Friederich auch PD Dr. med. Sefik Tagay beteiligt war, wurden die Betroffenen drei verschiedenen Settings zugeordnet: Die bisher übliche Standard-Behandlung sowie zwei manualisierte und auf die spezifischen Eigenheiten der Magersucht abgestimmte Therapieprogramme basierend auf kognitiver Verhaltenstherapie sowie Fokaler Psychodynamischer Therapie. Hierbei konnte nachgewiesen werden, dass das psychodynamische Vorgehen der Standardbehandlung bezogen auf die Genesung überlegen ist.

„Die psychodynamische Therapie der Magersucht greift auf Grundkonzepte der Psychoanalyse zurück“, erklärt Prof. Friederich. „Der Fokus liegt auf intra- und interpersonellen Konflikten.“ Beispiele hierfür sind konflikthafte Beziehungskonstellationen mit den primären Bezugspersonen und eine einsame, distanzierte Beziehungsgestaltung. Schwerpunkte der Therapie sind u. a. die Arbeit am affektiv-emotionalen Erleben, an konfliktbelasteten Beziehungen und am eigenen Körperbild.

Adipositas-Studie belegt geringen Erfolg bei konventioneller Behandlung

15 Prozent aller deutschen Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig, 6,3 Prozent sogar adipös. Therapieprogramme mit dem Ziel, das Gewicht der Betroffenen zu normalisieren, gewinnen deshalb an Bedeutung. Prof. Dr. med. Johannes Hebebrand, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am LVR-Klinikum Essen, initiierte gemeinsam mit der Psychologin Yvonne Mühlig eine Analyse zur Wirksamkeit dieser Gewichtsreduktions-Programme. Hierbei wurden 48 aktuelle Studien zum Effekt von Lebensstilprogrammen bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas unter die Lupe genommen.

So groß die Erwartungen der Betroffenen an ein solches Programm auch sein mögen, die Wirkung sei laut Prof. Hebebrand im Durchschnitt verblüffend gering. Oftmals nehmen die Patientinnen und Patienten nur wenige Kilos ab. „Die Erkenntnis eines vergleichsweise geringen Gewinns in Relation zu den erforderlichen Investitionen könnte einen Grund für gehäufte Therapieabbrüche darstellen“, erklärt der Experte. „Unserer Meinung nach muss der Fokus bei der Behandlung weniger auf der kurzfristigen Gewichtsreduktion liegen als auf der Verbesserung der Gesundheit im Allgemeinen, zum Beispiel durch den Ausbau der körperlichen Aktivität und Wahrnehmung regelmäßiger ärztlicher Termine, sowie der Lebensqualität und des Selbstwertgefühls.“