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Transplantationspsychosomatik

Zielgruppe

Empfänger und Spender von Organen können vor der Transplantation, in der Wartezeit und auch nach der Transplantation besonderen psychischen Belastungen ausgesetzt sein. Das Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Essen ist eines der großen Transplantationszentren weltweit mit einem besonderen Schwerpunkt in der Lebendorgantransplantation (Nierenlebendspende, Verwandtenlebersegmentspende). Die Notwendigkeit einer psychosomatischen Untersuchung von Transplantationspatienten ist in dem Transplantationsgesetz festgehalten, mit dem die Transplantationszentren verpflichtet werden, "vor und nach einer Organübertragung Maßnahmen eine erforderliche psychische Betreuung des Patienten sicher zu stellen".

Konzept

Eine psychosomatische Beratung und Betreuung erfolgt regelhaft für Empfänger und Spender bei uns als einem elementaren Teil des Transplantationszentrums.

Organempfänger vor der Transplantation

Ziel dieser Untersuchung ist es, sicher zu stellen, dass der potentielle Organempfänger das Ergebnis der Transplantation optimal nutzen kann. Dafür ist es notwendig über die psychischen Bewältigungsfähigkeiten zu verfügen, um mit der Transplantation als einem schwierigen oder gar traumatischen Lebensereignis umzugehen. In der psychosomatischen Untersuchung wird festgestellt, wie eine Unterstützung aussehen kann, in welchem Maße Bewältigungsfähigkeiten vorliegen bzw. ob darüber hinaus ein Bedarf an psychosomatisch-psychotherapeutischer Behandlung besteht. Ein besonderes Augenmerk der Untersucher liegt in der präoperativen Phase auf der Untersuchung der sog. Compliance. Als Compliance bezeichnet man die Fähigkeit eines Patienten, ärztliche Empfehlungen anzunehmen und in der Lebensführung umzusetzen. Diese wird in der Transplantationsmedizin als eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein gutes Ergebnis angesehen.

Organspender vor einer Lebendorganspende

Die Lebendorganspende ist zugelassen durch das deutsche Transplantations-Gesetz (TPG) von 1997, die Spende unterliegt detaillierten Einschränkungen und Bestimmungen. In der Lebendorganspende gibt es die einzigartige Konstellation, dass sich der Spender für einen Eingriff entscheidet, der für ihn aus medizinischer Sicht nicht notwendig ist und ausschließlich dem Nutzen des Organempfängers dient. Deshalb ist die psychosomatische Beurteilung eng an ethischen Vorstellungen orientiert. Im psychosomatischen Interview wird gemeinsam mit dem Spender versucht die Entscheidung zur Spende zu reflektieren und zu erkennen, wie der Entscheidungsprozess weiter gehen soll. Außerdem wird darüber gesprochen, welche Bewältigungsfähigkeiten für die anstehende Transplantation notwendig und ob diese ausreichend sind. Dafür müssen unter anderem aktuelle psychische Krankheiten ausgeschlossen werden können. Empfänger und Spender werden von zwei unterschiedlichen Untersuchern beraten. Anschließend gibt ein gemeinsames Gespräch dem Organempfänger und dem Spender noch einmal die Möglichkeit, Klarheit über ähnliche oder unterschiedliche Motive, Erwartungen und Emotionen bezüglich der Transplantation zu gewinnen.

Behandlungsangebot

Psychotherapieangebote für Patienten im Rahmen der Transplantation:

Compliance - Gruppe

Die Compliance - Gruppe richtet sich an Patienten, die bisher Schwierigkeiten mit der Umsetzung von ärztlichen Empfehlungen hatten. Insbesondere Patienten mit zurückliegender Suchterkrankung können von dieser Gruppe profitieren. Es werden Informationen über die verschiedenen Phasen der Transplantation vermittelt, bisherige Bewältigungsstile der Patienten untersucht und neue, hilfreiche Bewältigungsmöglichkeiten erarbeitet. Patienten haben unter der Leitung der Gruppentherapeuten die Möglichkeit, sich über ihre Gedanken und Emotionen in dieser besonderen Lebenssituation auszutauschen. Zusätzlich wird das Entspannungsverfahren nach Jakobson eingeübt.

Einzeltherapeutische Gespräche

Einzeltherapeutische Gespräche sind dann indiziert, wenn die Probleme der Betroffenen nicht so sehr in der aktuellen psychischen Belastungssituation liegen, sondern unabhängig von der Transplantation aus besonderen Belastungen in ihrer Lebensgeschichte und in ihrer Persönlichkeitsentwicklung begründet sind.

Stationäre Psychotherapie

Stationäre Psychotherapie ist hilfreich, wenn die psychischen Probleme ein solches Ausmaß erreicht haben, dass eine schnelle und intensive psychotherapeutische Behandlung notwendig ist.

Aufnahme

Telefonische Terminvereinbarung für die ambulante Diagnostik über die Ambulanz der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Zum genannten Termin müssen Sie eine Überweisung von Ihrem Psychiater/Neurologen oder Hausarzt mitbringen.